Da steht er: Die Scheiben sind drin, der Chrom und die Edelstahlleisten sind poliert, der Lack glänzt. Reifen und Felgen sind noch nicht sauber, aber das ist eine 5 Minuten-Arbeit. Nur eins fehlt: Die vordere Stossstange. Kopfschüttelnd steht Herr Schädler vor dem Ursprungsteil: “Da ist nix mehr zu machen, wir brauchen eine neue.” Dabei ist die Stossstange selbst längst fertig und lackiert. Sie geht aus wie neu. Das Problem ist der Träger, der das Kunststoffteil mit der Karosserie verbindet. Davon ist fast nichts mehr übrig. Jedenfalls nichts, das man restaurieren könnte.
Das heißt: Suchen. Und diesmal ist es richtig, richtig schwer. Die Anfrage im 504-Forum bleibt erst mal unbeantwortet. Nicht, weil keiner antworten will, sondern weil keiner Ersatz hat. ‘Der Franzose’, sonst immer eine hervorragende Adresse für fehlende Teile, winkt ab: “Keine Chance, so ein Teil habe ich schon ewig nicht mehr gesehen”. Und selbst Carmen Rudolph, die im Saarland eigentlich an der Quelle sitzt, muss passen.
Ich sehe meine ganzen Pläne schon platzen. Spätestens am 23. Juni wollte ich das Auto haben. Da ist Oldtimer-Rallye in meiner Heimatstadt St. Ingbert. Meine Geschwister und ich wollte in zwei Autos teilnehmen. Alle freuen sich drauf. Aber das geht nur, wenn beide Autos, 504 und Spitfire, fertig sind.
Aber wie immer, wenn man das Gefühl hat, es geht nichts, kommt jemand und hilft. In dem Fall Matthias. Er meldet sich im Forum: “Ich habe noch eine”. Der Stein, der mir vom Herzen gefallen ist, konnte man bis nach Korschenbroich hören. Dort wohnt er.
Noch ist die Stossstange nicht da. Aber ich hoffe, ich bekomme sie bis nächste Woche nach Mannheim. Und dann sollte es hoffentlich endlich zum Ende kommen. Wenn nicht noch ein Teil aussteigt…
“Sie werden staunen”, sagt er. Und dann öffnet Meister Schädler ganz langsam die Türe zur Lackierkabine. Es ist ein bisschen wie Weihnachten früher zuhause, wenn sich nach dem Glöckchen die Tür zum Wohnzimmer geöffnet hat und der Christbaum mit den Geschenken darunter strahlte. Heute strahlt allerdings kein Christbaum, sondern … Joelle.
Ich traue mich kaum den staubfreien Raum zu betreten. Als ich es dann doch tue, glaube ich meinen Augen kaum: Aus der rostigen Raupe ist wirklich ein wunderschöner Schmetterling geworden. Meister Schädler hat sich selbst übertroffen. Das Auto ist nicht wieder zu erkennen. In einem strahlenden Jade Grün Metallic steht es vor mir. Was vorher rau und unansehnlich war, ist plötzlich glatt und glänzend. Mir verschlägt es die Sprache - und das kommt wirklich nicht oft vor.
Während ich staunend um das Auto herum gehe, erzählt mir Herr Schädler von den Fortschritten der letzten drei Wochen. Was er alles noch in der Vorbereitung des Spritzens gemacht hat, damit der Lack gleichmäßig und glänzend auf die restaurierte Karrosserie kommt. Welchen und wieviel Lack er genommen hat, wieviel Klarlack über der eigentlichen Farbe liegt. Er ist, das hört, sieht und merkt man ihm an, sehr stolz auf das, was er hier geschafft hat. Und das völlig zu recht - der Wagen sieht großartig aus, jetzt schon.
Am liebsten würde ich ihn gleich mitnehmen, aber das geht natürlich nicht. Weder sind die Scheiben drin, noch hat das Auto seine Stoßfänger wieder und erst Recht keine Nummernschilder. Das alles kommt erst in den nächsten beiden Wochen. So lange muss ich mich noch gedulden. Die Stoßstangen müssen auch noch lackiert werden, denn der neue Farbton ist zwar die originale Peugeot-Farbe, die Joelle bei der Auslieferung getragen hat, aber frisch und satt aufgetragen, wirkt das Auto jetzt ein kleines bisschen dunkler und satter als vorher. Außerdem war der Lack auf den Kunststoffstoßfängern ebenfalls nicht der Beste. Da muss noch dran gearbeitet werden.
Natürlich gibt mir Herr Schädler auch wieder Hausaufgaben mit: Diesmal müssen die Chromleisten an den Türen und Fenstern poliert und auf Hochglanz gebracht, die Halterungen für die Nummernschildbeleuchtung entrostet und der Kühlergrill gesäubert werden. Arbeiten, die ich mehr als gerne erledige, endlich kann ich auch mal was Praktisches tun und nicht immer nur im Internet nach Teilen suchen.
Als wir uns verabschieden, schauen Herr Schädler und ich uns fröhlich an: ” Noch 14 Tage …”
“Es ist wie bei einer Liebe auf den ersten Blick”, sagt mein Freund und Mille-Kollege Jens Lohrey am Telefon zu mir, als ich ihm mein Leid klage. “Wenn Du Dich verliebst, bist Du auch blind”. Sehr klug der Mann. Aber das weiß ich nicht erst seit unserem Telefonat eben. Und was ich jetzt auch weiß: Liebe macht nicht nur blind, sondern auch arm.
Was er meint, ist Joelle, mein neues altes 504 Coupe. Die französische Schönheit, la Belle de France. Draußen ist Frühlung, die Sonne scheint mit 25 Grad und ich sollte/wollte schon längst mit Joelle unterwegs sein. Spätestens nächstes Wochenende zur Retro Classics in Stuttgart war die erste längere Fahrt geplant. Aber daraus wird nichts. Stattdessen steht Joelle bei Herr Schädler in der Werkstatt. Gestrippt, würde ich sagen, und auf keinen Fall fahrbereit.
Gedacht war das eigentlich ganz anders: Auf den ersten Blick stand Joelle ja sehr gut da, wie die Bilder hier auch zeigen. Ein paar kleine Retouschen hier, ein bisschen Smart Repair dort, dann wäre der Zustand 2+ erreicht. Dachte ich. Doch diese erste Einschätzung änderte sich dann ja doch, als wir Joelle zum ersten Mal unter den Rock, sprich in die Karrosserie geschaut haben. Okay, es war nicht überall Rost, aber dort, wo keiner war, gab es eben auch kein Blech mehr, sondern nur noch Spachtel.
Es hilft also alles nichts: Wir müssen von vorne anfangen. Die Situation an der A-Säule hinter den verschweißten Kotflügeln ist eine einzige Katastrophe. Von außen hat man das nur deshalb nicht gesehen, weil da nichts mehr war, was noch hätte rosten können. Die Schweller sahen nicht viel besser aus und ein Griff in die hinteren Radläufe brachten selbst einen erfahrenen Karrossier wie meinen genialen Herrn Schädler zum Stirnrunzeln.
Das heißt: Planänderung - und zwar komplett. Wo wir zuerst mit kleinen Schönheitsreparaturen anfangen und im Laufe der nächsten 24 Monate weitermachen wollten, muss jetzt eine Totaloperation her. Inklusive neuer Lackierung für das ganze Auto. Das Problem: Anders als beim Triumph, wo man die Teile, die fehlen oder kaputt sind, einfach bei Limora oder irgendwo in England bestellt, gibt es für das 504 Coupe quasi nichts mehr. Gar nichts. ‘Der Fluch der seltenen Autos’, nennt das Herr Schädler. Das Coupe ist ja selbst nur ein paar 1000mal gebaut worden, die meisten davon sind längst weggerostet oder als Ersatzteilspender für die beliebteren und wertvolleren Cabrios mißbraucht worden. Technikteile kein Problem - Karrosserieteile Fehlanzeige.
Seit Wochen treibe ich mich also jede freie Minute im 504cc-Forum rum, wo wirklich viele, sehr nette 504cc-Fahrer und -Experten einen lebhaften Austausch pflegen. Keine Frage, auf die man keine Antwort bekommt, keine Bitte, die nicht sofortige Hilfe nach sich zieht. Aber auch die Jungs dort können nichts herbeizaubern, was es nicht gibt: Schweller zum Beispiel. Das einzige Paar, das gerade aufzutreiben ist, soll 650 Euro kosten - PRO STÜCK!!! Radläufe gibt es gar nicht, auch nicht für Geld und gute Worte. Immerhin: Die Fenstergummis habe ich irgendwo in Frankreich aufgetrieben. Für 150 Euro das Stück. Und das auch nur, weil ich so gut französisch spreche, hat der nette ältere Herr aus Limoges in Mittelfrankreich am Telefon gesagt. Sonst würde er die Gummis für ‘echte’ Franzosen aufheben…
Also heißt es: Wir müssen viel Selbermachen! Ein Glück, dass Herr Schädler nicht nur ein Künstler seines Fachs ist, sondern auch einen Narren an dem Auto und seiner Restauration gefressen hat. An die Rechnung darf ich trotzdem nicht denken. Ich schätze mal, dass ich das gleiche Geld, das ich für den ganzen Wagen bezahlt habe, nochmal anlegen darf.
Aber was soll’s: Liebe geht eben nicht nur durch den Magen, sondern auch durch den Geldbeutel…
Noch vor zwei Wochen habe ich gedacht, es könnte klappen. Aber tatsächlich ist an meinem Peugeot doch mehr zu machen, als es auf den ersten Blick aussah. Und so steht Joelle noch immer ziemlich gestrippt in der Werkstatt in Mannheim, statt - wie 38 andere Oldtimer am vergangenen Wochenende - auf dem Parkplatz des Hotel Riva in Konstanz, dem Start und Ziel der Seegefrörnen 2012.
Die Winterrallye rund um den Bodensee muss wohl auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg gewesen sein. Jedenfalls zeigen das die Bilder auf Facebook und die Kommentare der Teilnehmer. Und was Hilmar am Telefon erzählt macht richtig neidisch: 37 Teams, wieder 10 mehr als im vergangenen Jahr, klasse Stimmung und dann auch noch ein Konstanzer Erfolg. Offenbar hat das Stadtmarketing wieder alles richtig gemacht. Was mich nicht nur für die Teilnehmer, sondern natürlich auch für die Orga-Mannschaft rund um den See freut. Auch das Wetter scheint ganz gut mitgespielt zu haben, obwohl an der ein oder anderen Stelle offenbar sogar noch Schnee lag.
Ganz ungetrübt ist die Freude natürlich nicht, denn ich hätte sehr gerne die ‘alten’ Bekannten von der Mille wieder gesehen und neue Oldtimerfreunde der Seegefrörnen kennen gelernt. Insofern ist auch ein bisschen Neid dabei, wenn ich die Bilder anschaue und Hilmar am Telefon begeistert von der Tour erzählt. Da wäre ich gerne dabei gewesen. In der Sitzgruppe an der Bar des Riva wäre für Hubert und mich sicher noch Platz gewesen (siehe Foto!).
Und natürlich hätte ich auch gerne Joelle ihre erste größere Ausfahrt gegönnt. Und mir, nebenbei, die Freude, mit dem neuen alten Auto unterwegs zu sein und dabei Joelle allen meinen Freunden vorzustellen. Und Hilmar mal wieder als Alleinunterhalter zu sehen. Naja - Joelle steht ohne Schweller und Stoßstangen bei Herrn Schädler, der sich so liebevoll um sie kümmert, als wär’s sein eigenes Auto. Auch nett.
Das nächste Mal, das habe ich mir fest vorgenommen, fahre ich die Seegefrörne mit - schon deshalb, weil man als Nicht-Allemanne den Namen der Tour kaum aussprechen kann. Und dann wird Mannheim die Hauptstadt des Oldtimerlandes Bodensee!
Sie haben mich durch dick und dünn getragen. Sie waren mir treue Begleiter. Sie haben zwei Mille Fiori perfekt mitgemacht. Und sie haben mir super-gut gefallen.
Meine Millefiori-Timberlands sind kaputt.
Die Bremsanlage, die Radlager hinten, die Räder vorne, die Stoßdämpfer hinten, Vergaser-Einstellungen, die Hohlraumversiegelung … alles Dinge, die in den letzten Jahren bei meinem Spitfire neu gemacht wurden. Meist steht der dafür in den Wintermonaten bei Joachim Gunst (www.gunst.de), einem KFZ-Meister in Heidelberg, der sich wirklich meisterhaft mit englischen Klassikern auskennt. Nicht umsonst fragen ihn fast alle Oldtimer-Zeitschriften immer wieder, wenn es darum geht, Tipps und Tricks zum Umgang mit Triumph, MG, Jaguar & Co. zu verraten. Joachim Gunst hat immer einen guten Rat.
Jetzt allerdings liegt auch seine Stirn in Falten. Das letzte, was an meinem Spitfire noch gemacht werden muss, ist der Sturz hinten. Dafür stand der Wagen seit Mitte November wieder in Heidelberg. Doch was eigentlich einen Tag dauern sollte, war plötzlich eine Sache von drei Wochen. Doch dazu später mehr.
Spitfire, das war schon immer so, haben von Natur aus einen relativ starken negativen Sturz an der Hinterachse. Grund dafür ist die antiquierte Art der hinteren Achskonstruktion mit EINER Blattfeder, die quer zum Auto eingebaut ist. Allein die Tatsache, dass es eine Blattfeder ist, sagt Leuten, die sich damit auskennen, dass die Konstruktion nicht gerade neuzeutlichem Fahrwerksdesign entspricht. Mit solchen Blattfedern wurden schon die Kutschen im Wilden Westen ausgestattet. Dann aber meistens wenigstens mit zwei pro Achse und diese in Längsrichtung montiert, damit das Federn auch wirklich etwas bewirkt.
Nun - beim Spitfire ist das alles anders: Da ist EINE Blattfeder quer zur Fahrtrichtung dafür da, die Federung und damit den ‘Komfort’ herzustellen. Wenn diese Feder kaputt ist oder ermüdet, wird der Sturz der Räder noch größer, das Auto steht sozusagen auf extremen X-Beinen. Das ist bei meinem Triumph der Fall und zwar so heftig, dass ich häufig darauf angesprochen werde - auch von Mitfahrern der Mille Fiori.
Zeit also, das Thema in der Winterpause zu lösen. Was einfacher gesagt ist als getan. Denn hier kommt wieder Joachim Gunst ins Spiel, der genau das versucht. Drei verschiedene Blattfedern von drei unterschiedlichen Herstellern hat er inzwischen ein- und auch wieder ausgebaut. Allerdings bis jetzt ohne Erfolg, denn die Federn, die er als Ersatzteile für den Spit bekommt, haben allesamt das exakte Gegenteil bewirkt: Plötzlich stand der Wagen hinten viel zu hoch, hatte statt eines negativen oder bestenfalls neutralen Sturzes, einen positiven - stand also optisch auf O-Beinen.
Könnte man das optisch noch verkraften, geht das allerdings fahrerisch gar nicht. Denn mit der neuen Feder überholt einen plötzlich das Heck, der Spit, der vorher auf der Straße lag wie ein Brett, ist auf ein Mal in Kurven vollkommen instabil und bricht laufend aus.
Also, zurück Marsch Marsch. Der Wagen steht also wieder in Heidelberg. Gut, dass Winter ist, und mir keine ‘Fahrtage’ abhanden kommen. Die Sorgenfalten von Meister Gunst sind dadurch aber noch nicht geglättet. Er überlegt noch, wie er das Problem in den Griff bekommt.
Normalerweise bin ich kein spontaner Typ. Jedenfalls nicht, wenn es um’s Autokaufen geht. Und wenn ich ganz ehrlich bin, war es auch gar kein spontaner Kauf, den ich da ein paar Tage vor Weihnachten gemacht habe. Aber von Anfang an:
Ich schleiche im Grunde schon seit Monaten um ein ganz bestimmtes Auto herum. Es ist ein Peugeot 504. Nein, nicht die rund 3,3 Millionen Mal gebaute Limousine, von der mein Vater in den 70ern zuerst eine weinrote, dann eine metallic-blaue und zum Schluss eine weiße fuhr. Und auch nicht das Cabrio, das vielen Oldtimerfreunden bekannt ist. Mir geht es schon seit Monaten um das Coupe der Baureihe. Warum? Weil es für mich eines der schönsten Autos ist, die jemals gebaut wurden, ein Meisterstück von Design-Genie Pininfarina, weil es mittlerweile super-super-selten geworden ist - und weil es die perfekte Ergänzung zum Triumph darstellt.
Natürlich würde mir auch das Cabrio gefallen. Trotzdem sprechen einige Gründe gegen die offene Version: Ich habe schon einen offenen Oldtimer, den Triumph. Ich habe schon ein Pininfarina-Cabrio von Peugeot, einen 306, und mit dem Coupe kann ich nicht nur bei schlechtem Wetter entspannt unterwegs sein, sondern auch noch meine drei Kids mitnehmen, die sich inzwischen mehr und mehr für mein Hobby erwärmen, und damit der wunderschönen Mama der drei Jungs ein paar ruhige Stunden schenken. Das war bisher im Triumph immer ein Kampf: Wer darf diesmal mitfahren?
Deshalb also ein Peugeot 504 Coupe. Rund 23.000 Stück sind zwischen 1969 und 1982 von den Pininfarina-Bändern in Turin gerollt. 168 davon gibt es in Deutschland noch. Lustig: Vom Cabrio, obwohl insgesamt nur rund 9.000 Mal gebaut, fahren noch über 1.000 auf Deutschlands Straßen.
Jedenfalls schleiche ich seit Monaten heimlich durch die Anzeigen in mobile.de und beobachte den Markt. Immer wieder tauchen schöne Modelle auf, die - inzwischen aufwendig restauriert - 20.000 Euro und mehr kosten. Zu viel, das will ich nicht ausgeben. Was sonst angeboten wird, ist Schrott. Bis zu dem Montag vor Weihnachten. Plötzlich steht er drin: Baujahr 3/80, Jadegrün Metallic, 120.000 Kilometer. Kein Zustand 1, aber gut in Schuss. Der Preis ist sehr okay. Ich rufe an.
“Ja”, sagt der Verkäufer, “das Auto ist noch da.” Anschauen? “Klar geht das.” Wo ich bin, fragt er. “In Berlin”, antworte ich. “Das passt prima,” sagt der Verkäufer. “Ich bin Übermorgen da, ich bringe das Auto mit.” Super, denke ich. Es ist so fahrbereit, dass er hierher kommt damit. Gutes Zeichen.
Zwei Tage später steht der Verkäufer vor der Tür. Wow. Das Auto sieht in Wirklichkeit genau so gut aus wie auf den Bildern. Der Verkäufer macht aus den Mängeln keinen Hehl. Drunter schauen kann ich nicht. Aber die schönen Seiten überwiegen. Wir handeln. Er lässt 500 Euro nach, mehr geht nicht. “Ich überleg’s mir, spontan kaufe ich nichts”, sage ich. “Jetzt bin ich mit dem Auto da”, sagt er. “Die 500 Euro und vier neue Markenreifen. Gilt aber nur jetzt und hier.” Er streckt mir die Hand hin. Und bevor ich richtig überlege, schlage ich ein. Der wunderbare Wagen gehört mir. Wie bringe ich DAS meiner Frau bei???
“Schatz, ich muss Dir was gestehen”. Kaum habe ich das gesagt, saust meine Frau wie von der Tarantel gestochen aus dem Beifahrersitz neben mir hoch. Wir sind auf dem Weg von Mannheim nach Saarbrücken, die Gelegenheit ist günstig. Sie schaut mich beunruhigt an. “Was hast Du angestellt???”. Ich tue gebührend schuldbewusst. “Ein Auto gekauft.” Sie lacht mich erleichtert an und lehnt sich wieder zurück. “Ach so, ich habe gedacht, es wäre etwas Schlimmes!”.
Ich liebe diese Frau!!!
Inzwischen gehört also Joëlle, so habe ich die junge Dame aus Frankreich getauft, zur Familie.
Die Kids sind begeistert vom Velour-ausgeschlagenen 80er-Jahre-Innenraum. Meine Frau freut sich, dass wir uns freuen. MA-PN 99 H, so ist das Kennzeichen. Leider gab es keine 504er-Nummer, denn das ist ein bisschen Tradition bei den Freunden des französischen Mercedes. Und der Name? Auch das ist Tradition bei 504-Fahrern. In Frankreich sind die Autos weiblich. Joëlle hieß die Austauschschülerin meiner Schwester aus Paris, die mich damals optisch sehr beeindruckt hat. Genauso wie mein neues Auto jetzt. Deshalb, darf ich vorstellen: Joëlle.
Mit welchem fahre ich jetzt nur die nächste Mille?
Okay - ich spanne die Mitleser nicht mehr weiter auf die Folter! Das ist die Strecke 2012: Mittwoch, 29. 8. 2012, Start auf der Mainau nach bewährtem Rezept. Erstes Ziel ist - und das ist für mich der Knaller überhaupt - Locarno oder Ascona am Lago Maggiore. Für mich ist das Tessin seit meiner Kindheit ein Traumziel. Ich war bestimmt schon Hundert Mal da und es wird nie langweilig. Noch nie habe ich von diesem Ort genug bekommen! Aber bisher habe ich es noch nie geschafft, mit dem Oldtimer da hinzufahren. Jetzt wird dieser Traum wahr. Für mich das Highlight - schon jetzt.
Nächster Tag, Donnerstag, 30. 8. 2012, geht die Tour vom Lago nach Lodi, einer kleinen Stadt südöstlich von Mailand, die mit Konstanz ‘verpartnert’ ist. Super-schöne Idee! Lodi, so viel habe ich nachlesen können, muss ein wunderschönes Städtchen sein. Und wenn ich die Bemerkungen von Hilmar am Telefon letztens richtig deute, haben sich die Mille-Macher für das Etappenziel Lodi etwas ganz Besonderes ausgedacht. Keine Ahnung was, aber ich bin sicher, es wird was kommen.
Am dritten Tag, Freitag, 31. 8. 2012, geht es zurück in die Schweiz, nach Pontresina in Graubünden. Jedem, der noch nie da war, kann ich sagen: Super!
Samstag: Heimkehr nach Konstanz und Abschluss.
Ganz einfach wird diese Tour allerdings nicht. Das ist eine ganz schön lange Strecke. Wer hier immer mitliest, weiß, dass mir das nichts ausmacht, aber ich höre schon wieder die Stimmen: ZU LANG! Selbst die direkten Strecken sind ganz schön happig diesmal. Ich bin mal gespannt, wie Egon damit umgeht. Ich bin sicher, er findet einen Weg. Und die eisernen Langversion-Fahrer stört das eh nicht. Oder, Bernd???
Die Unterlagen waren kaum drei Tage da, da waren sie auch schon wieder weg - nämlich ausgefüllt auf dem Weg nach Konstanz. Martin und Petra sind auch wieder dabei, das weiß ich aus der neuen Facebook-Gruppe. Die beiden waren sogar noch schneller mit dem Antworten!
Jetzt gilt’s: Mille 2012 - wir kommen! Ihr auch?
Mann, Mann, Mann … das hat gedauert, bis ich wieder dazu gekommen bin, am Blog weiterzuschreiben. Dabei hätte es in der Zwischenzeit massenhaft Themen gegeben. Die muss ich jetzt halt nach und nach ‘abarbeiten’.
Die erste Überraschung nach dem Pressepokal war die Einladung nach Basel. Das ‘La Plaza’ hatte sich die Kritik der Millefiori-Teilnehmer zu Herzen genommen und unter tatkräftiger Mithilfe der Stadtmarketing-Mitarbeiter alle Mitfahrer zu einem Wochenende in das inzwischen wieder fertig gestellte Haus eingeladen. Zeitpunkt: das Wochenende vom 2. Advent.
Leider ist bei mir genau dieses Wochenende komplett blockiert gewesen und auch Hubert konnte nicht, so dass wir tatsächlich nicht in Basel dabei sein konnten. Aber wenn die Erzählungen derer, die dort waren, auch nur halbwegs stimmen, muss es ein geniales Wochenende gewesen sein! Worum ich sie besonders beneide: Alle waren im Monteverdi-Museum und haben die grandiosen Modelle des Schweizer Autobauers und -Veredlers aus nächster Nähe sehen können. Es muss toll gewesen sein.
Nächster Punkt auf meiner Liste der Dinge, die rund um die Mille Fiori passieren: Es gibt es inzwischen auch eine Facebook-Gruppe zur Mille Fiori, in die ich jeden herzlich einlade, der irgendwie zur Mille gehört oder passt. Dazu aber in einem eigenen Posting mehr. Wer sofort Bescheid wissen will: Auf Facebook die Gruppe ‘Mille Fiori Konstanz’ suchen und um Einlass nachsuchen. Er wird gewährt werden…
Und dann der Knaller: Ich habe in einer Spontanaktion einen neuen Oldtimer gekauft. Aber dazu gibt es natürlich noch ein eigenes Posting, denn dazu gibt es natürlich eine Vor-, eine Haupt- und dann auch noch eine Nachgeschichte…
Und schließlich kam das Weihnachtspäckchen aus Konstanz: Das wunderschöne Fotobuch mit den tollsten Bildern der Mille 2011. Tagelang habe ich darin geschmökert, denn es hat genau den Zweck erfüllt, den es hatte - die Erinnerungen an die unglaublichen Tage im August und September wieder zu erwecken. Ein Blick in das Buch und alle Gedanken, Gespräche und Gefühle waren wieder da. Super! Vielen Dank dafür!
Außerdem waren da natürlich auch noch die Anmelde-Unterlagen. Und damit auch die neue Strecke, die Etappenziele und die Anlaufpunkte. Aber dazu gibt es natürlich auch ein eigenes Posting. Nur so viel hier schon: Es wird der Hammer! Ich freue mich schon jetzt wie verrückt.
“Da ist ein Paket aus Konstanz gekommen”, sagt meine Frau am Telefon. Ein Paket? Aus Konstanz? Jetzt schon? Die werden doch nicht schon fertig sein mit der Planung für die Mille 2012? Ich wundere mich. Erst recht, als ich abends das Paket sehe. Es ist groß und schwer und sehr gut verklebt, damit nichts kaputt geht. Offenbar ist der Inhalt fragil. Die Unterlagen für 2012 sind das jedenfalls sicher nicht.
Die Überraschung ist perfekt, als ich die Kiste öffne. Unglaublich. Vor mir steht ein blinkender Pokal, gut 30 Zentimeter hoch. Auf dem schweren schwarzen Marmorsockel ist eine Plakette mit einer gravierten Inschrift: “Dem besten Presse-Team 2011″. Ich bin vollkommen platt.
Eigentlich wendet man sich in einem Blog nicht an einen einzelnen oder spricht jemanden direkt an, weil man ja für alle Leser schreibt und nicht für einen einzelnen Adressaten. Ich mach es jetzt aber trotzdem, denn es ist mir wichtig: Liebe Mille Fiori-Macher, vielen, vielen Dank! Wer immer sich das hat einfallen lassen, die Überraschung ist gelungen! Ihr habt mir eine riesige Freude gemacht!!!
Dabei habe ich 2010 viel mehr über die Mille Fiori, vor allem im Südkurier und im Handelsblatt, geschrieben. Dieses Jahr konnte ich nur dieses Blog und ein bisschen Facebook machen, weil für mehr einfach keine Zeit war. Eine Reportage im “Ärztlichen Journal” ist schon vereinbart, aber noch nicht abgegeben. Dass ich trotzdem eine solche ‘Auszeichnung’ bekomme, freut mich besonders. Für mich ist das deshalb die schönste Reaktion auf dieses Blog.
Die schönste Reaktion auf den Pokal kam dagegen von meinen Kids. Die waren nämlich mächtig stolz auf ihren Vater. Wo der doch nicht unter den ersten Drei der Tabelle war. “Das ist echt super, Papa!” Die Drei sind sich einig: Mit dem ‘besten Presse-Team 2011′ könnten sie sehr gut leben…